Mozilla will Daten. Auf den ersten Blick halte ich den Gedanken hinter dem neuen Projekt, das intern bisher nur als "Data" bekannt ist, durchaus für nachvollziehbar. Richtig gute und verlässliche Webstatistiken muss man lange suchen. Und wer wünscht sich als Betreiber einer Webseite nicht möglichst aussagekräftige Statistiken?
Auf der anderen Seite sehe ich Firefox wie auch die Mozilla Foundation mit wachsender Skepsis. Man bewegt sich augenscheinlich immer mehr weg vom Browser "built by the community" zu einem Konzern, der den eigenen User an andere verkauft. Daneben bewegt sich das gesamte Projekt immer mehr zu Google hin - und die sind ja bekannt für ihre Datensammelwut. In diese Kerbe schlägt nun das aktuelle Vorhaben, bei dem es nicht nur um ein paar Downloadzahlen für Mozilla geht (die sowieso schon seit einiger Zeit über die automatische Updatefunktion generiert werden) - die Daten sollen auch "allen Interessierten wie Entwicklern, Unternehmen und Forschern bereitgestellt werden". Das gibt der ganzen Sache schon eine etwas andere Qualität.
Man darf auch nicht vergessen: Schon jetzt werden die Spuren des Surfers mit allen möglichen Mitteln aufgezeichnet, protokolliert und ausgewertet. Immer mehr Seiten benutzen Google Analytics, womit auch die seitenübergreifenden Bewegungen (zumindest für Google) nachvollzogen werden können. Nur hat hier der Benutzer noch die Möglichkeit über das Abschalten von JavaScript und Cookies bis hin zum Benutzen von Anonymizern, wie Tor, die Datensammlung zu unterbinden. Will man das nun umgehen, indem man die Spyware direkt in den Browser einbaut?
Es wird mit Sicherheit stark darauf ankommen, ob und wie Mozilla das Projekt umsetzt: Welche Daten werden tatsächlich erhoben, wir das Ganze als optional installierbares Plugin gemacht oder wird das in den Browser integriert vor per default eingeschaltet sein? Letztlich setzt man hier aber das Vertrauen der Benutzer und den (bisher) guten Ruf von Firefox einer Belastungsprobe aus.
Früher habe ich ja aktiv Firefox als Browser empfohlen, einfach auch deshalb, damit die Leute von dieser Internetseuche IE weg kommen. Inzwischen mache ich das nicht mehr. Und langsam frage ich mich schon, ob man nicht doch lieber auf die anderen guten Browser verweisen sollte, Opera, Konqueror usw.
Ich werde den Fuchs jedenfalls über kurz oder lang von der Platte schmeißen. Derzeit benutze ich den sowieso nur für den Flashkram, weil das mit den anderen Browsern noch nicht zufriedenstellend funktioniert. Aber auch da bewegt sich was. In Opera 9.50beta funktioniert Flash, wie auch die Integration in KDE, sehr viel besser und auch Konqi soll inzwischen mit Flash umgehen können.
Ein Trost bleibt natürlich angesichts des offenen Quellcodes von Firefox: Man kann diese Funktionalität wieder rauspatchen oder gleich das ganze Projekt forken. Hat ja durchaus Tradition in der Netscape/Mozilla-Historie.





