Ich habe vergangenes Wochenende mein Kubuntu Feisty auf Gutsy aktualisiert. Begeistert, muss ich sagen, bin ich nicht. Das Upgrade an sich lief nicht so reibungslos wie ich mir das gewünscht hätte und Gutsy hat im Betrieb einige unschöne Macken.
Meine Erwartungen an Gutsy waren (zugegebenermaßen) relativ hoch. Schon Feisty lief verdammt gut und stabil auf meinem Notebook, da hätte Gutsy mit noch besserem Hardwaresupport, schnelleren Ladezeiten und einem aktualisierten System noch eins draufsetzen können. Hat es aber in meinen Augen nicht.
Das Upgrade
Das Upgrade habe ich wie empfohlen durchgeführt. Zuerst also Backup, danach Fremdquellen auskommentieren, Fremdpakete deinstallieren und schließlich den Upgradewizard starten. An der Stelle wo das Release Announcement eigentlich gezeigt werden soll, stolpert die Prozedur zum ersten Mal. Es dauert einige Zeit bis das Dokument vom Server heruntergeladen werden kann und nach einiger Zeit erscheint die Meldung, dass auf den Server nicht zugegriffen werden könne. Hier hat man zwei Auswahlmöglichkeiten: "Retry" oder "Cancel". Es ist nicht ratsam "Cancel" zu wählen, weil man sonst Adept nochmal neu starten muss, um die Aktualisiserung anzuwerfen. Ich habs dann nochmal mit "Retry" versucht und kurze Zeit später erschien das Announcement. Könnte sein, dass das mit der hohen Belastung der Server zu tun hatte, sieht für mich aber wie ein Bug aus.
Im nächsten Schritt wird der eigentliche Assistent heruntergeladen und gestartet. Danach wird das System durchgecheckt und nachdem angezeigt wurde welche Pakete nicht mehr offiziell unterstützt werden und was alles aktualisiert werden muss kann das Upgrade starten. Das Upgrade braucht einige Zeit (bei mir etwa 2h), umso ärgerlicher war es, als es mit einem Fehler (zum Glück nachdem alle Pakete heruntergeladen wurden) abbrach.
Besonders die zweite Meldung ist für Einsteiger motivierend: "Die Aktualisierung wird jetzt abgebrochen. Ihr System könnte in einem unbenutzbaren Zustand sein." Wenn man nicht weiß wie es weitergeht, wird man erstmal ratlos vor dem Rechner sitzen. Gut, wenn man ein Backup hat. Wenn nicht, beißt man sich jetzt in den Hintern. Ich hab einfach auf der Konsole mit
sudo apt-get dist-upgrade
weitergemacht. Hat soweit alles funktioniert und nachdem APT fertig war, hab ich neu gestartet.
Das System
Nach dem Neustart die erste positive Überraschung: Das Upgrade hat mir nicht die menu.lst von Grub kaputt gemacht. Ich hab verschlüsselte Festplatten und da benötigt man für Grub seine eigenen Einstellungen und da hatte ich erwartet, dass die Datei einfach überschrieben wird. Alles so wie vorher und das System startete ohne Probleme. Beim Start der grafischen Oberfläche dann aber wieder eine schlechte Erfahrung: Grafikfehler und eine spürbar schlechtere Performance wie unter Feisty. Also hab ich mal ausprobiert ob es mit dem offiziellen Treiber besser läuft und ihn mit dem Restricted Manager (übrigens ein nettes Feature) installiert. Es blieb aber bei den Grafikfehlern und bei einer unterirdisch inaktzeptablen Performance des Systems. Zudem funktionierte die Tastatur nicht richtig. Es musste wohl beim Upgrade irgendwas schiefgelaufen sein.
An der Stelle hab ich mich gefragt, ob ich nicht vielleicht doch noch bei Feisty bleiben sollte. Einfach nur das Backup zurückspielen und alles ist wie vorher. Aber dann hab ich mich doch entschieden eine Neuinstallation zu machen. War wohl die Neugierde. :)
Nach der Neuinstallation lief das Ganze schon weit besser. Allerdings gibt es immernoch einige unschöne Macken:
- Unter Feisty konnte ich mit den Notebooktasten den Sound lauter und leiser machen - geht jetzt nicht mehr.
- Strigi (eigentlich als ressourcenschonende Desktopsuche angekündigt) zwingt die Performance meines Notebooks beim Indexieren teilweise in die Knie. Wobei ich jetzt keine Ahnung habe, ob das vielleicht ein Bug ist oder damit zusammenhängt, dass meine Festplatte verschlüsselt ist.
- Kleine Macke: Während früher die Taste "Druck" ksnapshot startete, passiert heute: nichts.
- Wenn ich das Notebook längere Zeit alleine lasse friert es ein und lässt sich nur durch Hard-Reset neu beleben.
- Und immer wieder mal ein unmotivierter System-Freeze. Ich hab da noch keine Systematik dahinter gefunden. Das System friert plötzlich ein und es hilft nur noch: Hard-Reset.
Positiv fiel mir auf:
- Bessere Performance: Der Bootvorgang und das Herunterfahren laufen fühlbar schneller. Auch Adept scheint einen Zahn schneller geworden zu sein (auf wajig verzichte ich dennoch nicht ;) )
- Restricted Manager: Properitäre Treiber lassen sich so wirklich einfach installieren, quasi Click&Run. Schön wäre vielleicht noch, wenn man da die Codecs mit reinpacken würde, denn es muss nicht unbedingt jeder wissen, dass es dafür ein Metapaket gibt.
- NTFS-Treiber: Endlich kann man auch in der Standardinstallation von Kubuntu auf NTFS Partitionen schreiben und muss nicht extra eine FAT-Austauschpartition anlegen.
- Hilfe: Endlich auch so eine schöne themenbasierte Hilfe wie bei Ubuntu.
Fazit
Gutsy hinterlässt bei mir einen durchwachsenen Eindruck. Das Upgrade läuft nicht wirklich gut und nach meinen Erfahrungen, sowie dem was ich bisher gelesen habe, scheinen auch andere Benutzer ihre Probleme damit zu haben. Derzeit würde ich eher dazu tendieren eine Neuinstallation zu machen, als das System via Upgradeassisten zu aktualisieren.
Das System hat objektiv gesehen keine größeren Sprünge gemacht. Man hat offensichtlich ein paar neue Nice-to-have-Features eingebaut und, wie es auch in den Release Notes steht, mit Blick auf Hardy LTS wieder mehr Augenmerk auf Stabilität gelegt. Allerdings wirkt Gutsy auf mich auch an einigen Ecken etwas unfertig. Beispielsweise ist Strigi noch nicht besonders schön in den Desktop integriert und an einigen Stellen sind Bildschirmtexte deutsch und englisch, als hätte man nach der Hälfte mit der Übersetzung aufgehört.
Wenn ich Feisty, welches nach der Installation komplett "out-of-the-box" funktionierte, mit Gutsy vergleiche, dann ist Gutsy für mich kein Fortschritt. Mir fehlt da irgendwie das Killerfeature. Deshalb bin ich derzeit auch noch am überlegen, ob ich nicht wieder zurück auf Feisty wechseln soll. Die Backups hab ich ja noch.
Für Hardy hoffe ich, dass man noch viel mehr in die Stabilität und einen gepflegten Desktop investiert. Lieber ein Feature weniger und dafür ein stabiles und aufpoliertes System.






Am meisten nervt mich das "ksnapshot" nicht mehr auf der "Druck" Taste liegt. Ich verwende in meinem Blog gerne Screenshots. Das ist jetzt richtig umständlich geworden.
Und das lustige: Ich kann "ksnapshot" auch keine andere Tastenkombi zuweisen; es funktioniert einfach nicht...
hm mein upgrade verlief problemlos. auch bei einem bekannten verlief das upgrade auch mit verschlüsseltem system ohne probleme.